Tragödien auf Paderborner Straßen.Zwei Menschen sterben, sechs Helfer werden vergiftet und eine junge Frau wird in Spezialklinik geflogen.



Kreis Paderborn (WV). Fassungslos und den Tränen nahe stehen Helfer auf der A 33 vor dem verunglückten Gefahrguttransporter. Feuerwehrleute bergen den vom Führerhaus erdrückten Fahrer (55), der noch an der Unfallstelle stirbt. Keine Chance hatte auch ein Kleinwagenfahrer bei einem Unfall auf der B64 bei Paderborn. Eine 24-Jährige liegt nach einem Unfall bei Boke mit schweren Verletzungen im Hospital.

Unfall A 33

Mehr als 100 Helfer sind im Einsatz. Gefahrgut-Spezialisten der Feuerwehren Paderborn und Delbrück dekontaminieren alle Einsatzkräfte, die bei der Bergung der Gefahrenstoffe und des getöteten Fahrers helfen. Sechs Menschen (drei Polizisten, zwei Feuerwehrleute, ein Ersthelfer), die um 7.47 Uhr zu den Ersten an der Unfallstelle gehören, klagen über Atemwegsreizungen und werden in Paderborner Krankenhäuser gefahren.
Der Gefahrenbereich ist weiträumig abgesperrt, weil niemand weiß, was der Lastwagen für Gefahrenstoffe geladen hat. Feuerwehrleute messen die Schadstoffbelastung in der Luft. »Nach ihrem Einsatz werden sie dekontaminiert. Ihre Schutzkleidung wird abgeputzt und gesäubert«, erzählt Bernhard Lücke, Unter Atemschutz dringen sie zum Lastwagen vor und finden im Führerhaus die Frachtpapiere. »Wir informieren uns beim Hersteller, ob die geladenen Stoffe chemisch reagieren können«, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister.
Vom Hersteller gibt es am Telefon die entscheidenden Informationen: Der Lastwagen hat Lacke, Farben und Lösungsmittel und keine gefährlicheren Chemikalien geladen. Veredelungslacke gelten als Gefahrenstoffe, erläutert Bernhard Lücke.
  • A 33 Bad Wuennenberg

Deswegen ist die Feuerwehr mit einem Großaufgebot von mehr als 100 Feuerwehrleuten aus dem gesamten Stadtgebiet Bad Wünnenberg sowie aus Delbrück, Paderborn und Borchen und mit dem ABC-Zug ausgerückt. Für die Helfer ist es ein extrem belastender Einsatz, der erst am späten Nachmittag endet.
Der getötete Fahrer aus dem Kreis Mainz wird mit Hilfe eines Kranes und von Atemschutzgeräteträgern geborgen. Weil der Mann nach Polizeiangaben möglicherweise kontaminiert ist, wird er in Folie verpackt. Die Staatsanwaltschaft Paderborn beschlagnahmt den Leichnam.
Drei der Fässer, in denen das Lösungsmittel Ethylacetat transportiert wurde, sind aufgebrochen. Die Flüssigkeit versickert im Erdreich, das aufwändig ausgekoffert wird. Spezialisten der Firma Lünne (Lippstadt) bergen die Behälter, ein Kran den Lastwagen.
 Über der Unfallstelle kreist ein Polizeihubschrauber des Landeskriminalamtes (LKA) Düsseldorf und misst die Unfallstelle aus. »Die Vermessung per Hubschrauber wird bei schweren Unfällen eingesetzt«, sagt Friedhelm Burchard, Pressesprecher der Autobahnpolizei. Sie soll klären, warum der Lastwagenfahrer auf gerader Strecke plötzlich nach rechts von der Fahrbahn abkam, die Leitplanke durchbrochen und die angrenzende Böschung hinuntergestürzt ist.
Es ist nicht der erste schwere Unfall zwischen Bad Wünnenberg-Haaren und Etteln. Auf der A 33 kracht es oft, sagt Bernhard Lücke. Zumeist seien es schwere Unfälle - oftmals mit Lastwagen-Beteiligung und sehr belastend für die Helfer.

Unfall B 64

Dramatische Rettungsszenen spielen sich auch nach einem Unfall auf der B 64 bei Benhausen ab, nachdem ein mit zehn Tonnen Stahlelementen beladener Sattelschlepper aus der Slowakei ein Auto mit zwei Insassen aus Paderborn unter sich begraben hat. Um 4.55 Uhr ist der 40-Tonner aus noch nicht geklärten Gründen von der Fahrbahn abgekommen und mit der Zugmaschine frontal in den Graben geprallt. Dadurch schleudert der Auflieger um 180 Grad herum und zerdrückt einen Hyundai Getz. Im dem Toyota wurden der 55-jährige Fahrer sowie dessen 42-jähriger Beifahrer eingeklemmt.
Die Rettungskräfte können die Eingeklemmten nicht befreien, auch wenn sie Stück für Stück das Fahrzeug regelrecht zerschneiden. Der Anhänger wird von der Feuerwehr schließlich mit Leitern, hydraulischen Stempeln und Stahlstützen abgesichert, so dass zunächst die Versorgung durch den Notarzt unter dem Anhänger ermöglicht wird. Sicherheitshalber setzen die Rettungskräfte zusätzlich noch zwei Hebedruckkissen unter dem Laster ein, damit dieser nicht noch weiter auf den Kleinwagen kippt. Vor Ort werden außerdem Balken zersägt und unter dem Anhänger verkeilt. Zugseile sichern zusätzlich gegen ein Umkippen ab.

Damit das Unfallopfer nicht unterkühlt, setzen die Retter zwei Halogenscheinwerfer als Heizung ein. Bei dem Fahrer des Hyundais stellt der Notarzt nur noch den Tod fest. Nach zwei Stunden hebt ein Kran schließlich den Auflieger an, damit der Wagen herausgezogen werden kann. Mit schwersten Verletzungen wird der 42-Jährige ins Krankenhaus gebracht.
Der vor Ort wartende Rettungshubschrauber wird nicht eingesetzt. Der Laster-Fahrer (57) erleidet ebenfalls schwerste Verletzungen, sein Beifahrer (22), der in der Schlafkabine ruhte, zieht sich leichte Verletzungen zu. Um die Unfallstelle zu räumen, müssen ein weiterer Kran und zusätzliche Abschleppfahrzeuge eingesetzt werden. Bis zum Mittag war die Bundesstraße gesperrt.

Im Berufsverkehr kommt es auf der Umleitungsstrecke zu drei Auffahrunfällen zwischen der Bundesstraße und Neuenbeken. Einmal sind fünf, einmal zwei Fahrzeuge beteiligt. Beim dritten Auffahrunfall mit drei Fahrzeugen zieht sich eine 18-Jährige leichte Verletzungen zu. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden aller Unfälle im Umfeld der B 64 auf 140 000 Euro.

Delbrück Boke

Schwerste Verletzungen hat sich eine Autofahrerin am Montag bei einem Unfall auf der Mantinghauser Straße in Delbrück-Boke zugezogen. Die 24-Jährige gerät gegen 8.40 Uhr auf der Landstraße zwischen Boke und Salzkotten-Mantinghausen mit ihrem Mazda nach dem Durchfahren einer leichten Linkskurve auf die rechte Bankette. Beim Gegensteuern verliert die junge Frau die Gewalt über ihr Fahrzeug.
Der Mazda gerät ins Schleudern, driftet quer über die Straße nach links und prallt mit der Beifahrerseite gegen einen Baum. Feuerwehrkräfte aus Delbrück und Boke befreien die Frau aus dem total zerfetzten Wagen. Mehrere Notärzte und Rettungswagenteams kümmern sich um die Paderbornerin, die aufgrund ihrer Kopfverletzungen schließlich per Rettungshubschrauber nach Bielefeld in die Spezialklinik Gilead gebracht wird.
Nach Angaben der Polizei besteht akute Lebensgefahr.

Westfälisches Volksblatt
Von Bernhard Liedmann, Sebastian Schwake und Jürgen Spies

Neue Westfälische

VON RALPH MEYER; Paderborn-Benhausen/Bad Wünnenberg/Delbrück. Bei drei schweren Verkehrsunfällen, die sich innerhalb weniger Stunden auf den Straßen und Autobahnen im Kreis Paderborn ereigneten, kamen am Montagmorgen zwei Menschen ums Leben. Drei weitere wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Acht Personen kamen mit leichteren Verletzungen davon.

Schreckliche Szenen spielten sich am frühen Montagmorgen auf der Bundesstraße 64 in Höhe Benhausen ab. Bei einer Kollision begrub ein 40-Tonner-Sattelzug einen mit zwei Personen besetzten Personenwagen vom Typ Hyundai Getz unter sich. Gegen 4.50 Uhr war der slowenische Sattelzug auf der Fahrt in Richtung Paderborn zwischen der Kreuzung mit der Kreisstraße 1 und dem Abzweig nach Benhausen nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und walzte mehrere Leitpfosten nieder. Dann schob sich die Sattelzugmaschine quer über die Fahrbahn und bohrte sich in die Böschung.
Daraufhin schleuderte der Auflieger um den Königszapfen herum und erfasste den Hyundai, der unter dem Auflieger zerquetscht wurde.
Während für den 55-jährigen Fahrer des Hyundai jede Hilfe zu spät kam, kämpften rund 50 Einsatzkräfte der Paderborner Feuerwehr knapp zwei Stunden lang um das Leben des lebensgefährlich verletzten 42 Jahre alten Beifahrers. Beide stammen aus Paderborn Erst nachdem der mit zehn Tonnen Metallteilen beladene Sattelzug durch einen Autokran angehoben worden war, konnte der völlig zerstörte Hyundai unter dem Auflieger hervorgezogen und der Beifahrer aus dem Wrack gerettet werden.
Zuvor hatte die Feuerwehr versucht, den Auflieger mit Hebekissen anzuheben. Mit zahlreichen Aluleitern und Stützen stabilisierten die Einsatzkräfte die verrutschte Ladung, damit der Beifahrer versorgt werden konnte. Mit einer weiteren Seilwinde wurde der Auflieger vor weiterem Abrutschen gesichert. "Für unsere Kräfte ist das buchstäblich eine Millimeterarbeit", erklärte Ralf Schmitz, Leiter der Paderborner Feuerwehr.; Der 57 Jahre alte Fahrer des Sattelzugs erlitt bei dem Unfall schwere Verletzungen, sein Beifahrer, der zur Unfallzeit in der Koje lag und schlief, kam mit leichteren Verletzungen davon. Die Bundesstraße 64 musste bis 12.15 Uhr der Ausfahrt Benhausen und der Kreisstraße 1 wegen der Bergungsarbeiten gesperrt werden.Im Rückstau ereigneten sich drei weitere Verkehrsunfälle, an denen acht Fahrzeuge beteiligt waren.

Gegen 7.45 Uhr kam ein 55-Jähriger auf der Autobahn 33, Fahrtrichtung Bielefeld, zwischen dem Autobahnkreuz und der Anschlussstelle Borchen-Etteln mit seinem 12-Tonner aus Mainz nach rechts von der Fahrbahn ab. Der mit Druckfarben, Lacken und Lösungsmitteln beladene Lastwagen walzte die Schutzplanke nieder, stürzte die Böschung herab und blieb auf der Seite liegen. Der Fahrer wurde zwischen seinem Führerhaus und dem Erdboden eingeklemmt. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen.
Drei der Fässer, die mit dem Lösungsmittel Ethylacetat gefüllt waren, brachen auf und liefen aus. Durch Einatmen der daraus enstandenen Dämpfe wurden drei Polizeibeamte, zwei Feuerwehrleute sowie ein Ersthelfer verletzt und vorsoglich in ein Paderborner Krankenhaus eingeliefert. Aufgrund der Kontaminationsgefahr wurde durch die Feuerwehr ein Gefahrenbereich von 50 Metern festgelegt.
Die Leitstelle der Feuerwehr in Büren-Ahden löste Gefahrgutalarm aus. Die Feuerwehr Bad Wünnenberg wurde durch den ABC-Zug der Feuerwehr Delbrück und den Gefahrgut-Zug (GSG) der Feuerwehr Paderborn unterstützt. Insgesamt waren rund 70 Feuerwehrleute auf der A 33 im Einsatz.