Fünf Verletzte bei Unglücksfall im Chemieunterricht. Bei einer Verpuffung im Chemieraum der Lise-Meitner-Schule haben drei Schüler im Alter von 12 und 13 am Montagmorgen schwere Verletzungen erlitten. Der Chemielehrer sowie ein weiterer Schüler (13) zogen sich leichte Verletzungen zu.

 


Mehrere Verletzte nach Verpuffung im Chemieunterricht.

Am Montag, dem 29. Oktober 2012 gegen 08:28 Uhr, wurden die hauptamtlichen Kräfte der beiden Feuerwachen Nord und Süd sowie ehrenamtliche Einheiten der Stadtmitte zu einer gemeldeten Explosion in einem Chemieraum der Lise Meitner Schule alarmiert.

Bei einem Experiment im Chemieunterricht mit Brennspiritus ist es aus bisher ungeklärter Ursache zu einer Durchzündung des Spiritus-Luftgemisches gekommen. Durch die explosionsartige Verbrennung wurden auch feinste, flüssige Anteile des Spiritus mitgerissen und verbrannten einige am Experimentiertisch beobachtende Schüler. Ein Schüler wurde sogar entzündet und musste mit einer Löschdecke durch den unterrichtenden Lehrer abgelöscht werden. Ein Mitschüler wurde sofort zum Sekretariat geschickt und meldete der Schulleitung den Unfall, die die Feuerwehr alarmierte.
Bei Eintreffen von Feuerwehr und Rettungsdienst, wurden die Einsatzkräfte durch Lehrer eingewiesen.Im Chemieraum war der Brand bereits abgelöscht worden aber drei Jungen im Alter von 12-13 Jahren hatten teils starke Verbrennungen im Gesicht, am Hals und auch am Oberkörper erlitten. Die übrigen Mitschüler waren bereits von ihrem Klassenlehrer zur Betreuung in einen anderen Klassenraum geführt worden.
Wie sich im Verlauf des Einsatzes herausstellte, war unter diesen Schülern ein vierter Junge, der zumindest leichte Verbrennungen am Arm aufwies. Auch der Chemie-Lehrer, der sich zunächst an der Erstversorgung und Betreuung der verletzten Schüler beteiligt hatte, erlitt Verbrennungen an einer Hand.
Durch die hohe Anzahl von Verletzten mussten weitere Rettungswagen und Notärzte nachgefordert werden. Die örtliche Einsatzleitung der Feuerwehr sowie der leitende Notarzt organisierten die Verteilung der Verletzten nach Prioritäten und Aufnahmekapazitäten der Aufnahmekrankenhäuser.
Aufgrund der Schweregrade der Verbrennungen musste ein Junge direkt mit einem Rettungshubschrauber in eine Verbrennungsklinik nach Bochum geflogen werden. Sein ebenfalls stark verbrannter Mitschüler wurde zunächst ins Paderborner St. Vincenz-Krankenhaus gefahren, während zwei weitere Jungen vom Johannisstift in Paderborn aufgenommen wurden. Der Chemielehrer erlitt neben seiner Verbrennung einen Schock und musste von einem Notfallseelsorger betreut werden, bevor auch er ins Krankenhaus transportiert wurde. Die unverletzten Mitschüler wurden während des Einsatzes durch Lehrer und eine Notfallseelsorgerin betreut, um das Geschehene zu verarbeiten. Mit Beendigung der Einsatzmaßnahmen von Feuerwehr und Rettungsdienst nahm die Kriminalpolizei die Ermittlung zur Brandursache und zum Unfallhergang auf.

Das Fahrzeugaufkommen an der Einsatzstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst belief sich zwischenzeitlich auf zwei Löschfahrzeuge, einen Gerätewagen Messtechnik, drei Rettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge, einen Krankentransportwagen mit dem leitenden Notarzt, einem Rettungshubschrauber aus Bielefeld sowie zwei Kommandowagen mit dem Leiter der Feuerwehr und dem Beamten vom Einsatzführungsdienst.
Einsatzleitung: BA Mirko Bursian

Bericht: Feuerwehr Paderborn, Fotos: M. Köppelmann
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Bericht: Polizei

Fünf Verletzte bei Unglücksfall im Chemieunterricht

Paderborn: Bei einer Verpuffung im Chemieraum der Lise-Meitner-Schule haben drei Schüler im Alter von 12 und 13 am Montagmorgen schwere Verletzungen erlitten. Der Chemielehrer sowie ein weiterer Schüler (13) zogen sich leichte Verletzungen zu.

Gegen 08:30 Uhr führte der 28-jährige Chemielehrer den Schülerinnen und Schülern der Klasse 7 im Chemieraum der Realschule ein Experiment vor. Dabei kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu einer Verpuffung, bei der sowohl der Lehrer als auch vier Jungen (12/ 12/ 13/ 13) Brandverletzungen erlitten. Der Rettungsdienst wurde sofort alarmiert. Andere Lehrer führten die unverletzten Kinder in einen freien Klassenraum. Drei Notärzte und die Sanitäterteams mehrerer Rettungswagen versorgten die Verletzten noch am Unglücksort. Lebensgefahr bestand bei keinem der Verletzten. Ein 12-Jähriger wurde vorsorglich mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Bochum geflogen. Die anderen Schüler und der Lehrer kamen in Paderborner Krankenhäuser. Der zweite 12-jährige Schüler wurde noch am Vormittag in eine Klinik nach Hamm verlegt. Während einer der 13-Jährigen noch im Krankenhaus behandelt wird, konnten sein gleichaltriger Mitschüler als auch der Lehrer wieder aus dem Hospital entlassen werden.

Zur Betreuung der unverletzten Schülerinnen und Schüler der Klasse wurden zwei Notfallseelsorger eingesetzt. Die Kinder konnten nach Rücksprache mit den Eltern noch vor Unterrichtsende nach Hause. Im Chemieraum entstand kein Sachschaden.
Wie es zu dem Unglück kommen konnte, ist Bestandteil polizeilicher Ermittlungen. Zudem ist ein Sachverständiger der Unfallkasse NRW eingeschaltet worden.

Neue Westfälische
Explosion im Chemieunterricht
Fünf Verletzte an Paderborner Schule

Paderborn (mk/red/-sg-/st/lnw). Bei einer Explosion im Chemieunterricht sind in der Paderborner Lise-Meitner-Realschule am Montagmorgen vier Schüler und ein Lehrer verletzt worden, die Schüler erlitten teilweise schwere Brandverletzungen.
Gegen 8.30 Uhr ist es in einer siebten Klasse bei einem Experiment zu einer Explosion gekommen. Bei dem Versuch soll laut Auskunft der Feuerwehr Spiritus eine Rolle gespielt haben. Zu dieser Einschätzung passt, dass neben dem Arbeitsbereich des Lehrers eine Spiritusflasche gefunden worden ist.
"Es war wohl eine Lösung mit Brennspiritus und Wasser hergestellt worden", sagte ein Sprecher. Nach Schilderungen der Schüler sei immer weiter Spiritus zugefügt worden, um zu zeigen, ab welchem Mischungsverhältnis es brenne.

Der 28-jährige Lehrer habe ein sogenanntes Lehrer-Experiment vorgeführt, sagte ein Polizeisprecher. "Der Lehrer stand vorne und hat etwas vorgemacht." Die Verpuffung in der ersten Unterrichtsstunde habe die Schüler in den vorderen Sitzreihen verletzt. Einen Schüler habe der Chemielehrer nach dem missglückten Experiment mit einer Decke löschen müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Ein 12-jähriger Schüler soll derart schwere Brandverletzungen erlitten haben, dass er mit dem Rettungshubschrauber Christoph 13 in eine Bochumer Spezialklinik geflogen werden musste.Ein weiterer 12-Jähriger sowie zwei 13-jährige Schüler sind im Gesicht, am Hals und oberen Brustbereich teils schwer verletzt worden. Sie wurden von vier Notärzten versorgt und in Paderborner Krankenhäuser gebracht. Der Lehrer trug leichte Verletzungen an der Hand davon. 20 weitere Schüler kamen mit dem Schrecken davon und wurden von zwei Notfallseelsorgern und zwei Klassenlehrern betreut.

Der junge Chemielehrer sei selbst Gefahrstoffbeauftragter an der Realschule, sagte deren Leiterin Cornelia Pongratz. Es handle sich um einen "sehr verantwortungsvollen und verlässlichen Menschen", erklärte die Schulleiterin. "Deshalb kann ich mir derzeit nur vorstellen, dass es ein Unfall, ein Unglück war und er nicht fahrlässig gehandelt hat." Jetzt müssten die Verantwortlichen in aller Ruhe analysieren, was schief gelaufen sei, sagte Pongratz.

Die Explosion hatte keine Auswirkungen auf den restlichen Schulbetrieb, der Unterricht in den anderen Klassenräumen lief weiter. Die Lise-Meitner-Realschule liegt in der Nähe der Elsener Straße unweit eines großen Paderborner Möbelhauses.


Westfälisches Volksblatt

Chemie-Experiment misslingt:
Schüler erleiden Verbrennungen

Lehrer wirft Löschdecke über Schüler - Rettungshubschrauber fliegt Opfer in Spezialklinik

Von Rüdiger Kache
Paderborn (WV). Weil er geistesgegenwärtig eine Löschdecke über einen bei einem Chemieexperiment von Flammen entzündeten zwölfjährigen Schüler geworfen hat, konnte ein 28-jähriger Chemielehrer wohl noch Schlimmeres verhindern. Bei dem Unfall in der Lise-Meitner-Realschule sind insgesamt vier Schüler und der Lehrer zum Teil schwer verletzt worden.
 Im Chemieraum im Erdgeschoss ereignete sich die Verpuffung bei einem Chemie-Experiment. Mit dem Rettungshubschrauber Christoph 13 (kleines Foto) wurde ein verletzter Zwölfjähriger in eine Bochumer Spezialklinik geflogen.Fotos: Rüdiger Kache / Jörn Hannemann
Einsatzfahrzeuge der Paderborner Feuerwehr und des Rettungsdienstes stehen vor der Lise-Meitner-Realschule.
Sie informierten die Öffentlichkeit über den Unfall im Chemieraum (von links): Horst Naujack (Bezirksregierung), Schuldezernent Wolfgang Walter, Schulleiterin Cornelia Pongratz und die Konrektoren Andreas Wax und Detlev Schreiber. Auch Landrat Manfred Müller und Polizeichef Andreas Krummrey verschafften sich am Vormittag während der Rettungsarbeiten vor Ort einen Überblick.

Zum Glück seien diese Verbrennungen aber für keinen der Betroffenen lebensgefährlich, zog gestern Mittag Schulleiterin Cornelia Pongratz eine erste Bilanz.
Montagmorgen. 8.30 Uhr. Die 7. Klasse sitzt mit 24 Schülern im modern eingerichteten Chemieraum im Erdgeschoss der Realschule und verfolgt einen Versuchsaufbau, bei dem sich die Verpuffung ereignet. Die Stichflamme erreicht die vier Schüler in der ersten Reihe. Ein unverletzter Klassenkamerad läuft sofort ins Sekretariat und informiert die Schulleitung über den Vorfall. Zwischenzeitlich schickt der Chemielehrer die übrigen unverletzt gebliebenen Schüler in ihren Klassenraum. Rektorin und Konrektor eilen zum Chemieraum, warten auf die inzwischen alarmierte Feuerwehr und kümmern sich um die Verletzten.
 Sofort treffen auch zwei Notfallseelsorger ein. Sie bleiben bis zum Mittag, um sicher zu stellen, dass das Erlebte in der Gruppe verarbeitet wird und die Schüler entweder von den Eltern abgeholt oder nach Hause gebracht werden.
Die Feuerwehr versorgt die Verletzten noch im Chemieraum, bevor drei von ihnen und der Lehrer mit Rettungswagen in Paderborner Krankenhäuser gebracht werden. Der Notarzt entscheidet dann, dass ein vierter Junge mit Verbrennungen im Gesicht, an Hals und Brust mit dem Hubschrauber Christoph 13 in die Bochumer Klinik Bergmannsheil geflogen wird. Ein weiterer Verletzter wird verlegt in einer Klinik in Hamm. Ein Junge, der zunächst unverletzt erscheint, wird mit Brandwunden am Arm noch ins Krankenhaus gebracht.
Am Mittag geben die Brandsachverständigen der Polizei den Chemieraum wieder frei. Trotzdem soll auch heute hier noch kein Chemieunterricht stattfinden, um noch einmal alles zu überprüfen, sagt Schulleiterin Cornelia Pongratz. Die Schultaschen hängen noch über den Stühlen. Auf dem Boden liegen Kanülen, Einmalhandschuhe, Mullbinden. Tische und Stühle werden zusammengeschoben, um Platz zu schaffen für Ärzte und Sanitäter. Von der Verpuffung auf dem Lehrerarbeitstisch sieht man nichts. Keine Brandflecken, keine Zeichen von Zerstörung. Auch der Brandgeruch ist schnell verflogen.
»Was wirklich geschehen ist, wird erst ein Gespräch mit dem Chemielehrer klären«, bittet die Schulleiterin um Verständnis, jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen zu wollen. Wie die Feuerwehr Paderborn mitteilt, wurde bei dem Chemie-Experiment offensichtlich ein Spiritus-Luft-Gemisch entzündet. Durch die explosionsartige Verbrennung seien auch feinste flüssige Anteile des Spiritus mitgerissen worden und hätten dann am Experimentiertisch die Schüler verbrannt, die den Versuch beobachteten.
Trotz des folgenreichen Unfalles möchte sie eine Lanze brechen für einen weiterhin lebendigen Chemieunterricht, eben keinen Tafel- und Kreide-Unterricht. Gerade Experimente würden den Unterricht beleben. »Daran darf man auch nicht rütteln.«
Der 28-jährige Lehrer gelte als äußerst qualifiziert und besonnen, betont auch der noch eilig zur Pressekonferenz hinzugezogene Schuldezernent für Realschulen bei der Bezirksregierung in Detmold, Horst Naujack. Wie mitgeteilt wird, soll der Chemielehrer auch die Zusatzqualifikation als Gefahrstoffbeauftragter an der Schule besitzen.
Paderborns Schuldezernent Wolfgang Walter lobt die besonnene und in allen Punkten - von der Erstbetreuung bis zur Alarmierung - vorbildliche Reaktion der Schulleitung. Jetzt hoffen alle Mitschüler, das Kollegium und die Eltern, dass die Schüler und der Chemielehrer bald wieder zurückkehren können. Für die übrigen Schüler der Realschule (637 Schüler) ging der Tag gestern ganz normal weiter. »Schließlich haben sie von dem Ereignis direkt gar nichts mitbekommen«, betont Schulleiterin Cornelia Pongratz.

Quelle:Westfalen Blatt