Westfälisches Volksblatt vom 13. August
Delbrück von Überflutungen gezeichnet / Aufräumen am Tag 1 nach den Wassermassen

Straßendurchstich bringt entscheidenden Durchbruch am Birkenkamp

Da konnten Feuerwehr-Abschnittsleiter Ralf Brunnert (li.) und THW-Zugführer Timo Mahr wieder lächeln: Endlich geschafft!! Kurz nach 16 Uhr konnten am Samstag die Pumpen am Birkenkamp in Nordhagen abgeschaltet werden. Das Wasser aus den Vorflutern lief selbstständig wieder in den Grubebach zurück, der sich nach und nach in sein eigentliches Bett zurückzog. Dank dem Einsatz der Helfer und einer Pumpleistung von mehreren zehntausend Litern pro Minute konnten hier die Wohnhäuser gehalten werden.

Delbrück (al). Die Uhr zeigt 16.15 Uhr und Abschnittsleiter Ralf Brunnert vom Löschzug Delbrück sowie THW-Zugführer Timo Mahr geben das Zeichen: .Pumpen aus.. Die Situation am Birkenkamp in Nordhagen hatte sich am Samstag Nachmittag soweit entspannt, dass nach rund 30 Stunden die Pumpen abgeschaltet werden konnten. .Der Pegel im Grubebach ist inzwischen soweit zurückgegangen, dass das Wasser selbstständig abfließt. Zur Zeit sinkt der Pegel mit zwei bis drei Zentimetern pro Stunden.. erklären der Abschnittsleiter Ralf Brunnert vom Löschzug Delbrück und Timo Mahr vom THW Detmold ihre Entscheidung den Anwohnern am Birkenkamp. Dramatisch hatte sich die Situation am Freitag Abend zugespitzt. Trotz der Pumpleistung von mehreren zehntausend Litern Wasser in der Minute konnten der Grubebach nicht entscheidend zurückgedrängt werden. Die Wassermassen drohten sich vor der Brücke über den Grubebach zu stauen. .Wir mussten schnell handeln, durch den Rückstau hätten sich Verwirbelungen gebildet und das Wasser wäre noch schneller gestiegen. Als es dann noch einen weiteren Starkregenschauer gab, mussten wir eine Entscheidung fällen.. so Timo Mahr. Unmittelbar neben der Brücke wurde die Straße Birkenkamp auf einer Breite von gut einem Meter aufgerissen. Das Wasser fand so einen zusätzlichen Durchlaß durch die Straße, die hier wie ein Deich wirkte. Durch die Entscheidung konnten die Häuser am Birkenkamp gehalten werden. .Die Rettungskräfte haben hier tolles geleistet. Angefangen vom pausenlosen Einsatz von THW und Feuerwehr bis hin zur Versorgung durch das DRK. Das lief völlig reibungslos und klappte prima.. dankte Maria Altmeier den fleißigen Helfern, während sie nicht mehr benötigte Sandsäcke zurück auf eine Palette stappelte. Für das DRK, das alleine über 100 ehrenamtliche Kräfte zusammengezogen hatte, war das Unwetter mit einer Einsatzdauer von über 30 Stunden der größte und längste, den es bislang zu bewältigen galt. Auch die Kameraden der Feuerwehren und des THW waren bis zur Erschöpfung im Einsatz.

Um die Hochwassersituatin in Nordhagen zu entspannen, rissen die Helfer eine große Lücke in die Straße .Birkenkamp.. Die auf einem Damm verlaufende Straße wirkte wie ein Deich, die Wassermassen konnten nicht zügig genug ablaufen. Der Duchstich ermöglichte es die umliegenden Häuser wirkungsvoll gegen das Hochwasser des Grubebach zu schützen

 Auch in der Delbrücker Innenstadt waren die Schäden unübersehbar. Unzählige Sandsäcke und mit aufgequollenem Mobiliar gefüllte Kontainer waren zusehen, während bei vereinzelten Häusern noch immer die Pumpen liefen. Einige Geschäfte blieben am Samstag wegen der Überflutungen geschlossen, darunter auch das Schuhhaus Hölscher. .Unser gesammtes Schuhlager befindet sich im Keller, hier stand das Wasser bis unter die Decke. Nach vorsichtigen Schätzungen dürfte der Schaden bei über 45.000 Euro liegen.. berichtet Walter Hölscher, Seniorchef des Familienbetriebes, während ein Schild mit der Aufschrift .Heute wegen Wasserschaden geschlossen. in die Eingangstür hängt. Wenige Häuser weiter beginnt für Eugen Kirsch ein langer Arbeitstag. Der Tischler eines Bad Driburger Trocknungsservice lädt bereits vor 8 Uhr in der Frühe Lüfter und Trocknungsgerät aus seinem Lieferwagen, um feuchte Keller zu entlüften.

Besorgte Mine bei THW-Helfer Uwe Pfeifer aus Gütersloh. In einzelnen Bereiche der Maisfelder am Birkenkamp reichte das Wasser bis an die Brust. Uwe Pfeiffer misst den Pegelstand.

 Hochkonjunktur haben in diesen Tagen Schmutzwasserpumpen, Gummiflitschen und Bautrockner. Im OBI-Baumarkt, der selber voll Wasser gelaufen war, kann Olaf Thienel, Fachberater in der Gartenabteilung schon lange nicht mehr in volle Regale greifen. .Wir haben inzwischen Ware umgruppiert. Aus den Märkten in Höxter und Bielefeld sind Pumpen, Schläuche, Muffen und Flitschen nachgeliefert worden. Neue Ware wurde umgehend bestellt.. so Olaf Thienel. Trotzdem hatte Olamf Thienel am frühen Samstag Nachmittag nur noch eine Schmutzwasserpumpe im Sortiment.

In der Delbrücker Innenstadt liefen viele Keller bis unter die Decke voll. Auch das Schuhhaus Hölscher blieb nicht verschont. Der gesamte Lagerbestand an Schuhen wurde ein Opfer des Wassers. Seniorchef Walter Hölscher öffnete die Türen zu seinem Geschäft am Samstag nur zum Lüften. Für Kunden blieb der Familienbetrieb geschlossen.

Zum Starkregen kamen in Ostenland und Sudhagen noch heftige Windböen hinzu. Entlang des Boker Kanals wurden rund 50 mächtige Birken und Pappeln mit Baumscheibe einfach umgerissen. Auch die Teerdecke des Wirtschaftsweges wurde erheblich beschädigt.

Schlimm getroffen hat es auch Sudhagen. Zum Hochwasser des Haustenbaches, der nur mit tausenden von Sandsäcken einigermaßen im Zaume gehalten werden konnte, richtete hier, wie im Bereich Horsthöfe in Ostenland, eine örtlich begrenzte Windhose große Schäden an. Im Bereich Neukirchsschleuse wurden schätzungsweise 50 mächtige Birken und Pappeln mit samt der Baumschauben einfach umgeweht. Karsten Kämper rückte mit Trecker und Motorsäge an, um den beliebten Rad- und Wanderweg entlang des Boker Kanals von den querliegenden Baumriesen zu befreien.